Heute starten wir den Tag etwas anders – mit Frühstück auf dem Bett und ohne Regen draußen. Das ist doch schon mal vielversprechend. Nach den letzten beiden Tagen mit „schwerem Frühstück“ (Omlette und Pancakes) freuen wir uns auf frisches Obst und Joghurt. … Was ein Urlaub auf Hawaii alles bewirkt! ?

Da es endlich einmal trocken ist, nehmen wir uns den offenen Punkt auf unserer To Do Liste vor: eine Wanderung im Krater. Am schönsten soll der Kilauea Iki Trail sein, der mitten durch die Caldera des Ausbruchs von 1969/1970 geht.

Bevor wir starten, gucken wir aber noch, wie es am Jagger Museum ausschaut. Die rote Lava ist zu sehen, versteckt sich aber oft hinter aufsteigenden Dampfwolken. Wir werden heute Abend noch mal schauen. Und dann können wir hoffentlich wieder die rot glühende Lava ehrfürchtig bestaunen.

Vom Parkplatz des Kilauea Iki Overlooks geht es los. Zuerst führt uns der Weg durch einen Regenwald sanft und in Sepentinen bergab. Und schon hier glüht die Linse der Kamera. Immer wieder gibt es tolle Impressionen: wilde Orchideen, das üppige Grün des Regenwaldes und faszinierende Farne. So dauert es eine Weile, bis wir den Abstieg geschafft haben.

Unten angekommen ändert sich das Bild total. Wenn die Caldera von oben eben aussah, sieht man hier den welligen, rissigen von Lava gebildeten Boden. Es ist ein wenig unwirklich. Dazu passt auch, dass wir als erstes eine weiße Eule sehen. Ob das wohl Harry Potters Hedwig ist? Hinpassen würde sie hierher. So ganz menschlich sieht es nicht aus.

Faszinierend sind die vielen kleinen Bäume mit ihren roten „Federblüten“, die etwas Farbe ins Spiel bringen. Es ist irgendwie skuril. Wir gehen über einen Boden, der vor 40 Jahren noch heiß war und kein Leben zugelassen hat. Oft sieht man auf der Oberfläche Risse und irgendwie auch Narben. So als ob die Oberfläche vom Ausbruch Narben im Gesicht davon getragen hätte.

Je weiter wir kommen, desto mehr zeigt sich die raue und unebene – ja fast schon ungastliche – Fläche. Welche gewaltige Kraft muss hier geherrscht haben. Und wenn ich mir die wandernden Menschen hier anschaue, dann sehen wir alle klein und wie ein „Fliegenschiss“ im Krater aus.

Da es teils nebelig und Grau ist, fühle ich die Endzeitstimmung, die hier geherrscht haben muss noch mehr. Eine unwirkliche Szenerie … aber absolut faszinierend. Wie gut, dass wir den Abstieg gewagt haben.

Am Ende der Ebene, falls man sie überhaupt so nennen kann, wartet ein streiler Aufstieg mit vielen Stufen auf uns. Dafür ist der Aufstieg kürzer als der Abstieg … vermeintlich. Wir gewinnen zwar schnell an Höhe, aber der Weg bis zum Auto ist länger als gedacht. Biegung um Biegung windet sich der Weg durch den Regenwald. Wunderschön und satt Grün – der absolute Kontrast zur Lavaebene unten.

Die Wanderung hat sich absolut gelohnt!

Jetzt gönnen wir uns erst einmal einen Kaffee im Volcano House. Von hier aus kann man in den Krater schauen … wenn nicht die Wolken so tief fliegen würden. Man kann nicht alles haben. Und Kaffee hat gerade den Vorzug.

Ein bisschen gestärkt nehmen wir die Steam Vents in Angriff. Das ist vom Parkplatz ohne weitere Höhenmeter machbar. ? Hier kommt der heiße Dampf entlang des Kraterrandes wie von Geisterhand aus dem Fels. Zwar riecht er nicht nach Schwefel – zum Glück -, ist aber gut warm. Es sieht schon gigantisch und unwirklich aus. Mutter Natur ist unberechenbar an diesem jungen Ort. Oder sollte ich besser sagen die Feuergöttin Pele.

Zurück in der Unterkunft, gönnen wir uns eine heiße Dusche. Es bleibt noch etwas Zeit, um die ein oder andere Postkarte zu schreiben und ein kleines Nickerchen zu machen. Dann wird es Zeit für unseren reservierten Tisch in der Kilauea Lodge. Wir haben Hunger und müssen … oder besser wollen … noch etwas Zeit überbrücken. Vor 9 p.m. herrscht Stau am Jagger Museum. Alle Tagesgäste wollen die rot glühende Lava bei Nacht sehen. Und da wir nur ein paar Minuten entfernt wohnen, können wir die Tagesgäste getrost abreisen lassen bevor wir uns auf den Weg machen.

Heute bietet uns der Vulkan im Krater Halemaumau noch einmal ein faszinierendes Schauspiel. Einfach atemberaubend! Schon von unserer Unterkunft aus sehen wir den roten Schimmer am Himmel. Das verspricht Gutes.

Ich kann nur dastehen und ehrfürchtig staunen. Pele zeigt heute wirklich Temperament. Schon mit bloßem Auge erkenne ich, wie große Stücke Lava hochgeschleudert werden. Der Feuerschlund ist geöffnet. Erst ein bisschen und dann an mehreren Stellen. Wow, wow, wow! So etwas habe ich noch nicht gesehen. Das ist faszinierend!

Und so schnell wie die Fontänen aus flüssiger Lava entstanden sind, so schnell verschwinden sie auch. Zurück bleibt ein Netz aus Feueradern, das nicht minder beeindruckend ist.

Ein gelungener und magischer Abschluss für diesen Tag.